In diesem Tutorial geht es darum Streicher, Klavier oder allgemein Instrumente so authentisch wie möglich in Fruity Loops nachzubauen. Es ist prinzipiell immer und bei jedem Sample anwendbar, wird hierbei jedoch am Beispiel eines Cellos/Streichers verdeutlicht.
Zudem gibt es die Möglichkeit bei Besitz des Plugins "Garritan Personal Orchestra" noch mehr an Realität herauszuholen (ab Punkt drei).
Für alle diejenigen, die erst anfangen die Basics:
Fruity Loops Einsteigertutorial - Hip Hop Beat in 10min
Für alle diejenigen, die tiefer in die Materie eintauchen wollen:
Das Aufbaututorial - "Doppelbeat", Layer und Abmische
NEU: Für kraftvolle Kicks und bangende Snares:
Drums Abmischen mit Fruity Loops Fl Studio 7
1: Melodie schreiben
2: Notenvariation, Reverb und Mixer
3: Anschlagvariation (nur mit Garritan PlugIn)
4: andere PlugIns
5: Zusammenfassung
6: Material (flp, mp3, pdf)
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Zu allererst müssen wir uns ein PlugIn reinladen, welches unsere Sounds enthält. Wer keins zur Hand hat, der kann auch einzelne Samples nehmen, jedoch wird damit klanglich nicht viel zu reissen sein, weil sie meistens nicht zu variieren sind. In meinem Fall lade ich das
Garritan Personal Orchestral VST.
Wie bei vielen PlugIns erstelle ich mir dazu einen weiteren Channel - den MIDI Kanal, über den die von mir eingegeben Informationen durch das PlugIn (Garritan) laufen und mit dem Klang des jeweilig geladenen Instrumentes durch den Mixer wiedergegeben wird und aus meinen Boxen tönt.
Dann kann ich bereits damit beginnen, meine Noten bzw. Melodie in die Piano-Roll des MIDI-Channels einzugeben. Einfach Rechtsklick auf den Channel im Step-Sequenzer und "Piano roll" anwählen (siehe Bild).
Man könnte die Melodie/Noten zwar auch im Step-Sequenzer editieren, jedoch ist dessen Funktionsweise eher für Drums gut und für unsere Zwecke viel zu unvariabel, also immer in die Piano-Roll gehen.
Meine Melodie ist sehr einfach gehalten, keine Akkorde, einfach nur ein paar Noten, die über einen kleinen Zeitraum ansteigen - doch das sollte uns erst einmal reichen.
Wir sehen bereits, das alle Noten haargenau auf dem Takt liegen und alle die gleiche Lautstärke haben (diese wird im unteren Bereich der Piano-Roll mit den senkrechten Linie unter jedem Notenanfang verdeutlicht). Es ist nicht schwer zu erraten, dass es ziemlich unmöglich sein sollte so exakt punktuiert zu spielen und den Ton zu halten, somit klingt unsere Melodie ziemlich geradlinig und monoton.
Um sie uns anzuhören, müssen wir nochmal sicherstellen, dass die von uns eingegeben Noten wie oben bereits angesprochen durch das PlugIn mit dem Instrument laufen und zum klingen gebracht werden!
Damit der MIDI-Channel meine Noten also weiterleitet, muss ich darauf achten, dass der jeweilige Port auch der selbe ist (in meinem Fall 0) und der Channel das richtige Instrument ansteuert (Standartmäßig 1, also das erste geladene Instument - unser Cello).
Der Port des PlugIns wird immer im PlugIn oben rechts angegeben (siehe Bild) und der Channel in den Einstellungen des MIDI-Channels.
Jetzt hören wir auch etwas, das ohne alle Effekte, ganz Clean ungefähr so klingen müsste (das leichte Vibrato kommt vom Instrument selber):
LeijiONE.de_authentische_strings_01_clean.mp3
Um den Sound voller klingen zu lassen, kann man im Mixer die "Stereo Separation" voll aufdrehen und den Klang somit breiter auf die Seiten verteilen (siehe Bild - nach links drehen Stereo, nach rechts Mono).
In unserem Fall können wir das im Masterchannel machen, weil es ja keine weiteren Samples gibt, sobald jedoch mehrere dabei sind, sollte das PlugIn einem eigenen Mixerchannel zugewiesen werden und die Separation auf diesen angewandt werden!
Der Sound sollte jetzt im Gegensatz zum Anfang etwas breiter und klangvoller sein:
LeijiONE.de_authentische_strings_02_stereo.mp3
Nichtsdestotrotz klingt alles noch gleich, was unter anderem daran liegt, dass sich die Lautstärken/Velocity aller Noten exakt gleichen. Niemand könnte das so spielen - also ändern wir es!
Am einfachsten macht sich dies mit der Zufallsfunktion/Random in der Piano-Roll. Also rein, alle Noten auswählen (STRG+A) und per ALT+R den "randomizer" aktivieren. Hier kann man im oberen Bereich die ganzen Noten shiften, doch das wollen wir nicht, wir betrachten also nur den unteren Bereich "Levels". Hier können wir jeden einzelnen Parameter, den wir auch per Hand ändern könnten zufällig verändern lassen. "Pan" (Stereoverteilung - ganz links) bietet sich nicht an, da wir davon ausgehen, dass sich unser Cello nicht bewegt und "Pitch" (tonhöhen Feinjustierung - ganz rechts) lediglich, wenn wir einen Schüler simulieren wollten, der die Noten nicht trifft.
Nutzen wir also nur den Knopf für die Lautstärke (VOL) und drehen ihn leicht (siehe Bild). Unsere Veränderungen werden sofort sichtbar und die Lautstärkebalken in der Piano-Roll passen sich an.
Diese Funktion sollte man generell nutzen, sobald man in der Piano-Roll arbeitet, sei es nun eine Klaviermelodie, Streicher oder Bläser - selbst eine Hat-Line lässt sich damit varieren und klingt danach realer und abwechslungsreicher.
Dazu legen wir noch einen Reverb (Echo/Hall) über unser Instrument. Dies tun wir jedoch nicht im jeweiligen Channel, sondern in einem der Send-Channel. Der Vorteil ist, dass der Effekt dadurch unter den Klang gemischt und nicht drübergelegt wird, was viel breiter klingt und die eigentliche Dynamik und Kraft des Cellos bestehen lässt.
Um den Send-Channel anzusteuern, müssen wir unser PlugIn vom Masterchannel in einen anderen FX-Channel legen, in diesem Falle gleich auf die 1. Nun einfach den Send-Channel auswählen, einen Reverb reinladen und vom FX-1 aus ansteuern indem man (bei Auswahl auf FX-1) den kleinen Volumeknopf unter dem Send-Channel aufdreht (siehe Bild).
Das Ganze klingt danach so:
LeijiONE.de_authentische_strings_03_noten.mp3
Um die Noten nicht alle gleichzeitig und exakt im Takt (natürlich völlig unnatürlich) beginnen zu lassen, begeben wir uns abermals in die Piano-Roll und verschieben sie jeweils ein kleines Stück "offbeat". Um sie exakt und mit freier Bahn verschieben zu können, müssen wir erstmal das automatische "am-Takt-andocken" deaktivieren, indem wir in den "Snap-to-grid"-Einstellungen "none" wählen (siehe Bild). Nun kann man die Noten prima händisch editieren und verschieben.
Hierbei macht es sich am besten, den Beginn der Note größtenteils nach vorne zu verlagern (nicht immer) und das Ende zu verlängern, sodass sich die Noten auch überschneiden (siehe Bild).
Bis hierhin kann man die bisherigen Schritte bei jedem PlugIn oder Sample anwenden und bekommt somit einen schönen, authentischen Sound.
Um es jedoch ganz authentisch wirken zu lassen, bietet uns das Garritan Personal Orchester zudem die Möglichkeit über das Rad (welches wir entweder per externem MIDI-Keyboard oder im internen PlugIn ansteuern können) die Lautstärke/Dynamik zu variieren.
Doch dazu müssen ein paar Voreinstellungen getroffen werden. Um die Funktion nutzen zu können, müssen wir zuerst den MIDI-Channel konfigurieren um den benötigten Knopf zu erhalten. Dies erreichen wir, indem wir in den "Presets" der "Midi Out"-Voreinstellungen Basic wählen (siehe Bild). Daraufhin bekommen die unteren Drehknöpfe eine Bezeichnung und eine damit verbundene Funktion. Somit können wir nun mit dem ersten Rad das Rad des PlugIns ansteuern und den Ton variieren.
ACHTUNG: durch das Ändern der Presets wird die automatische Channel-Input Quelle auf 1 gestellt, wodurch es miteinmal dazu kommen kann, das man ein anderes Instrument hört und sich wundert warum - also danach immer nochmal die Channeleinstellungen checken!
Nachdem wir alles vorbereitet haben, weisen wir dem "Mod"-Rad für die Dauer unserer Melodie/des Patterns ein Event zu ("Rechtsklick > edit Event" - siehe Bild). Eine Automation ist in den meisten Fällen zwar besser und übersichtlicher, bietet uns hier aber nicht den nötigen Spielraum.
In diesem Fall wollen wir schliesslich ganz exakt den Anstrich des Instruments simulieren, wie auch das Ausklingen des Selbigen. Dazu malen wir die Steilen Berge in unser Event, immer daran denkend, dass ein niedriger Balken bedeutet, dass das Instrument leise spielt und bei einem höheren lauter wird - schliesslich editieren wir gerade die Lautstärke.
Um zu verdeutlichen, was genau man gerade editiert hat, kann man nun die Melodie spielen lassen und sich zugleich das Interface des Garritan Personal Orchestras anschauen, wobei man sieht, dass sich das Rad links unten (siehe Bild) je nach Position im Event mitdreht und somit die Lautstärke anpasst.
Der ganze Loop sollte dann so klingen:
LeijiONE.de_authentische_strings_04_final.mp3
Wenn man dies nun (in zeitaufwendiger Feinjustierung) auf mehrere Instrumente anwendet und unter einen Beat legt, klingt es dann auch ziemlich realistisch:
LeijiONE.de_authentische_strings_06_song.mp3
In Kombination mit anderen PlugIns funktioniert die Funktion mit dem Mod-Wheel nicht immer, so zum Beispiel mit
Edirols Orchestral PlugIn.
Um die Variation dennoch nutzen zu können, gibt es die Möglichkeit das Event auf andere Regler zu legen, denn sonst klingt es so - bzw. leiert vielmehr (es sei denn, jemand steht auf den Effekt):
LeijiONE.de_authentische_strings_05_edirol.mp3
Zu allererst sollte der generelle Name des MIDI-Patches geändert werden, denn die Presets bringen im Gegensatz zum Garritan dem die total egal sind beim Edirol Orchester einen eigenen Character mit. Wählen wir also unser Instrument aus (siehe Bild) - hier kann auch jede andere Vorgabe gewählt werden, der Klang verändert sich dazu immer mit und kann nach belieben anders genommen werden.
Für unsere Variation lieferte das Rädchen "Foot" einen einigermaßen zufriedenstellenden Effekt, jedoch ist hier vorrangig Spaß am Entdecken und Ausprobieren gefragt, denn die eigentlich Funktion bringt dieses PlugIn nicht mit!
Das Event über dem Mod-Wheel kann auch bei
Steinbergs Hypersonic genutzt werden, jedoch sollten hierbei aufgrund des schnellen Attacks des Synthies eher kleinere Änderungen eingearbeitet werden (getestet in Hypersonic 1).
Prinzipiell ist davon auszugehen, dass jedes PlugIn mit einem Mod-Wheel dadurch ansteuerbar ist, wie z.B. das
"Miroslav Philharmonik" von IK Multimedia und andere.
Hier nochmal alle Methoden für einen authentischeren Sound zusammengefasst:
Für alle diejenigen, die sich jetzt darunter nichts vorstellen konnten, oder die einfach mal am vorgegebenen Beispiel rumbasteln und nachschauen wollen, habe ich hier ein paar Downloads.
Fruity Loops zipped Loop Package
(für Vers. 7, (bedingt) abwärtskompatibel) (beeinhaltet .flp File mit den Noten und Voreinstellungen des Tutorials)
Das ganze Tutorial als Adobe Acrobat .pdf File
(1,49MB, für Druck, PDA, Handheld, Palm oder zum bequemen versenden)